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Dresscode im Beruf: Wie viel Haut dürfen Mitarbeiter zeigen?

Wir sind mittendrin in einer Hitzewelle: In den nächsten Tagen zeigt das Thermometer weit über 30 Grad an. Da ist es schon im Alltag schwer, ein Outfit zu finden, das die Hitze erträglicher macht. Umso schwerer ist es im Beruf. Wir haben gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut YouGov nachgefragt: Was ist aus Sicht von Arbeitnehmern zu hot, wenn es um den Dresscode im Job geht? Außerdem haben wir uns Gedanken gemacht, wie Arbeitgeber dazu beitragen können, dass ihre Mitarbeiter die richtige Kleiderwahl treffen. Die Ergebnisse im Überblick.

Dresscode: Wie lässt sich die Hitze ertragen?

Es ist heiß in Deutschland. 40 Grad, keine Klimaanlage am Arbeitsplatz. Wir wollten von Arbeitnehmern wissen: Welcher Dresscode geht jetzt in Ordnung? Eine hauchdünne Mehrheit (38 Prozent) spricht sich dafür aus, es möge jeder selbst entscheiden, wie viel oder wenig er oder sie bei Hitze im Job anzieht – Hauptsache, die Hitze lässt sich ertragen.

Fast genauso viele sind Verfechter des Kompromisses „Arme frei, mehr bitte nicht“ (37 Prozent). Nur acht Prozent der Deutschen sagen klar: Bitte keine nackte Haut im Job! Zu diesen Ergebnissen kommt eine repräsentative Umfrage von Monster Deutschland und YouGov*.

Elf Prozent wussten auf die Frage, welcher Dresscode bei Hitze im Job okay ist gar keine Antwort. Sie stehen wohl immer noch vor dem Kleiderschrank und verzweifeln an der Aufgabe ein angemessenes Outfit auszusuchen. Leichter dürfte es für die sechs Prozent sein, die von zuhause arbeiten – hier kann der Dresscode flexibler gehandhabt werden. Oben in Bluse oder Hemd – unten beinfrei in Shorts. So lässt es sich bei Videokonferenzen aushalten.

Im Westen nichts Freies

Ein Blick in die verschiedenen Regionen Deutschlands zeigt: Im Osten ist man legerer unterwegs. Hier lassen 43 Prozent im Vergleich zu nur 37 Prozent im Westen jedem die freie Wahl beim Outfit. Am deutlichsten heben sich Sachsen-Anhalt und Thüringen vom Durchschnitt der Deutschen ab: Hier hat bei sommerlicher Hitze über die Hälfte (56 bzw. 52 Prozent) kein Problem mit nackter Haut im Job.** Im Westen bevorzugt die Mehrheit hingegen die Variante „Arme frei, sonst bitte nichts zeigen“ (38 Prozent).

Nach Familienstand betrachtet zeigt sich, dass nackte Haut im Job für die Mehrheit der Singles erwartungsgemäß okay ist (43 Prozent). Auch bei den zusammen- (44 Prozent) sowie den getrenntlebenden Paaren (46 Prozent**) spricht sich die Mehrheit dafür aus, dass jeder selbst entscheiden soll was er oder sie bei sommerlichen Temperaturen am Arbeitsplatz anzieht. Der Anteil derer, die dem zustimmen, sinkt bei den Verheirateten jedoch deutlich: In dieser Bevölkerungsgruppe haben nur noch 36 Prozent kein Problem mit nackter Haut im Job.

Unabhängig vom Beziehungsstatus, sind sich acht Prozent der Männer und Frauen darin einig, dass nackte Haut im Job absolut nichts zu suchen hat. Allerdings ist die Mehrheit der Frauen der Meinung, mehr als die Arme dürfen nicht frei sein (39 Prozent vs. 35 Prozent der Männer), während Männer mehrheitlich allen selbst überlassen, wie viel Haut sie bei Hitze im Job zeigen (41 Prozent vs. 36 Prozent der Frauen).

Dresscode im Job: Was darf der Arbeitgeber vorgeben?

„Diese Zahlen zeigen deutlich, dass der Dresscode im Job bei Sommerhitze viel Stoff für Diskussion bietet“, erklärt Dr. Katrin Luzar, Senior Director Marketing bei Monster. In einem bestimmten Rahmen dürften Arbeitgeber ihren Mitarbeitern aber auch Vorgaben machen, was sie am Arbeitsplatz tragen sollen und was nicht. In manchen Bereichen – etwa im Gesundheitswesen – führt zum Beispiel auch im Sommer nichts an einer Schutzkleidung vorbei, die Mitarbeiter zuverlässig vor Ansteckungen schützt. Ähnliches gilt im verarbeitenden Gewerbe und der Industrie. Aller Hitze zum Trotz kann hier nicht auf sichere Kleidungsstücke wie Helm, Schuhe mit Stahlkappen und Schutzanzug verzichtet werden.

Aber auch dort, wo Mitarbeiter „nur“ den Betrieb gegenüber Kunden nach außen repräsentieren, können Arbeitgeber Vorgaben machen, nicht zu viel Haut zu zeigen. Röcke sollten hier nicht zu knapp sein – allenfalls knieumspielend. Das ärmellose Top sollte gegen eine Kurzarmbluse eingetauscht werden und Männer sollten die Shorts zugunsten einer leichten Leinenhose im Schrank lassen.

Kompromiss in Sachen Dresscode

Zu weit dürfen die Einschränkungen allerdings nicht gehen. Wo Arbeitnehmer weder auf Schutzkleidung noch auf ein repräsentatives Outfit angewiesen sind, können sich diese auf ihr Persönlichkeitsrecht berufen, das laut Art. 2 Abs. 1 GG besagt: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“

Dr. Katrin Luzar wirbt für einen für alle Seiten tragbaren Kompromiss: „Wer 40 Stunden die Woche im überheizten Laden, in der Produktion oder auch im Büro ohne Klimaanlage arbeitet, ist einer enormen Belastung ausgesetzt. Arbeitgeber sollten das anerkennen, Verständnis zeigen und ihre Vorgaben in puncto Dresscode den Bedingungen anpassen. Professionalität zeigt sich nicht am Jackett oder der hochgeschlossenen Bluse.“