Geldwerte Vorteile

Geldwerte Vorteile

 

Außer der Erhöhung des Gehalts gibt es viele Leistungen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer statt dessen oder zusätzlich verhandeln können. Geldwerte Vorteile im Überblick. 

 

 

Gehaltserhöhungen sind erfreulich, bergen andererseits aber auch jede Menge Frustpotentia – für Mitarbeiter und den Arbeitgeber. Wird ein Monatsgehalt beispielsweise von 3500 Euro auf 3600 Euro erhöht, kostet das die Firma rund 120 Euro, weil sie zu den 100 Euro noch die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung finanzieren muss. Davon kommen gerade einmal 45 Euro beim Mitarbeiter als höherer Nettolohn an – über 62 Prozent des Aufwands landen also beim Staat.

Dabei gibt es jede Menge kleiner und größerer Annehmlichkeiten, die Firmen ihren Mitarbeitern steuerbegünstigt oder sogar steuerfrei zukommen lassen können. Auf diese Weise lässt sich vielfach ein Gehaltspaket schnüren, von dem beide Seiten finanzielle Vorteile haben:

Arbeitgeber bleiben für Mitarbeiter attraktiv oder gewinnen qualifizierte Bewerber für sich, Arbeitnehmer können bei Gehaltsgesprächen oder Bewerbungen gezielt nach den Bausteinen fragen, die für sie besonders interessant sind.

Hier eine Auswahl der wichtigsten Zugaben zum Grundgehalt:

Vermögenswirksame Leistungen

Dieser Klassiker der Vermögensbildung wird in fast allen Branchen gezahlt, wobei allerdings die Höhe der Leistungen sehr unterschiedlich ist und von knapp 7 Euro bis zu 40 Euro im Monat reicht. Zwar sind VL steuer- und sozialversicherungspflichtig, werden aber zusätzlich zum Gehalt gezahlt und sind damit für Arbeitnehmer auf jeden Fall lohnend.

In einigen Branchen werden seit einigen Jahren anstelle der bisherigen VL „altersvorsorgewirksame Leistungen“ gezahlt. Die Zahlungen für die bisherigen VL fließen dann entweder in die betriebliche Altersversorgung oder einen Riester-Vertrag des Mitarbeiters. Durch die besonderen Regelungen für diese Produkte ergeben sich oft erhebliche finanzielle Vorteile gegenüber einer Anlage in VL. Je nach Unternehmen und Branche kann es dabei besondere Regeln geben.

Betriebliche Altersversorgung

Da die Beiträge vielfach vollkommen steuer- und sozialversicherungsfrei sind, lassen sich hier sowohl für den Mitarbeiter als auch für den Arbeitgeber ausgesprochen günstige Effekte erzielen. Je nach Gehaltssystem bieten Firmen statt heutiger höherer Vergütung auch entsprechende Zuzahlungen in die Altersversorgung an („deferred compensation“ oder „aufgeschobene Vergütung“), die dem Mitarbeiter erst im Ruhestand zugute kommt.

Mitarbeiterbeteiligung

Über verbilligte Mitarbeiteraktien werden Arbeitnehmer zu Miteigentümern ihres Arbeitgebers. Hier winken dem Mitarbeiter Steuervorteile, für die Firma ist der besondere Anreiz die verbesserte Identifikation der Belegschaft mit dem Unternehmen.

Fahrtkostenzuschüsse

Gerade in Ballungsräumen sind Jobtickets oder Fahrtkostenzuschüsse eine attraktive Zugabe für Mitarbeiter. Je nach Höhe des Vorteils für den Mitarbeiter bleibt die Leistung steuer- und sozialversicherungsfrei oder kann vom Arbeitgeber mit einem geringen Satz pauschal versteuert werden. Das ist auch für die Firma günstiger als eine entsprechende Gehaltserhöhung.

Vor allem beim Jobticket kommen noch weitere Aspekte ins Spiel: Für die Mitarbeiter entfällt die oft nervenaufreibende Parkplatzsuche, in manchen Gemeinden sparen die Unternehmen den Nachweis erforderlicher Parkplätze, und auch die Umwelt wird geschont. Manche Jobtickets sind außerdem an Wochenenden als Familienkarten nutzbar.

Zuschüsse zur Kinderbetreuung

Familienfreundliche Firmen haben zum Beispiel Kontingente bei örtlichen Betreuungseinrichtungen und geben auch Zuschüsse zu den Kosten. Manche Arbeitgeber richten sogar gleich eigene Betriebskindergärten oder –krippen ein.

Das kostet zwar Geld, erhält ihnen aber vielfach qualifizierte junge Mitarbeiter. Und gerade bei Betriebskindergärten lassen sich auch die Betreuungszeiten an die Arbeitszeiten der Eltern anpassen, die so deutlich entspannter arbeiten können.

Verbilligtes/kostenloses Kantinenessen

Fielen vor einigen Jahren viele Kantinen dem Rotstift zum Opfer, scheint mittlerweile ein Umdenken einzusetzen. Vor allem große Unternehmen werben mit der vielfach hervorragenden Qualität ihrer Kantinen. Diese bieten den Mitarbeitern neben einer Verpflegung vor Ort oft nahezu unschlagbare Preise, die zudem noch steuerlich begünstigt sind.

Aber auch die Personalabteilungen erkennen die vielfältigen Vorteile: So können über Aktionswochen die Mitarbeiter zu gesünderer Ernährung angeregt werden, und der oftmals zwanglose Austausch über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg sorgt für einen verbesserte Identifikation mit dem Arbeitgeber und gibt Anregungen für die Arbeit.

Kostenlose Versicherungen. Beispiel Unfall und Berufsunfähigkeit

Gruppen-Unfallversicherungen sind für Arbeitgeber ausgesprochen preiswert und vermitteln den Mitarbeitern ein Gefühl zusätzlicher Sicherheit. An Bedeutung gewinnen zunehmend Gruppenversicherungen gegen Berufsunfähigkeit. Hier bietet die Firma vor allem den vertraglichen Rahmen, hat aber meine keine zusätzlichen finanziellen Aufwendungen, weil der Mitarbeiter die Beiträge selbst zahlt. Für Mitarbeiter mit Vorerkrankungen ist die meist angewandte „vereinfachte Gesundheitsprüfung“ oft eine gute Chance, sich gegen Berufsunfähigkeit abzusichern.

Mitarbeiter-Rabatte, Sachbezüge

Besonders in Produktions- und Handelsunternehmen ist der Mitarbeitereinkauf mit entsprechend vergünstigten Preisen weit verbreitet. Der steuerliche Freibetrag von 1.080 Euro pro Jahr und weitere Steuervergünstigungen wie ein vierprozentiger Bewertungsabschlag bringen den Mitarbeitern erhebliche Vorteile und verringern andererseits den finanziellen Aufwand der Firmen. Die Unternehmen erhöhen durch Mitarbeiter-Rabatte den Absatz und steigern die Identifikation der Arbeitnehmer mit ihren Produkten.

Weiterbildungen

Individuelle Weiterbildungen sind besonders für hoch qualifizierte Mitarbeiter wertvoller als eine entsprechende Gehaltserhöhung: Im Gegensatz zur Gehaltserhöhung kommt eine Fortbildung immer ohne Abzüge an und verbessert zudem die Karrierechancen im aktuellen Unternehmen, aber auch die Attraktivität für mögliche neue Arbeitgeber.

Gerade darin liegt für das finanzierende Unternehmen eine Gefahr, andererseits lassen sich vor allem gesuchte Fachkräfte ohne entsprechendes Weiterbildungsangebot oft gar nicht mehr rekrutieren.

Privat nutzbares Handy/Internet

Viele Unternehmen erlauben die private Nutzung, die dann für den Mitarbeiter steuerfrei ist. Als Mitarbeiter sollten Sie sich aber insbesondere beim Handy an gewisse „Schamgrenzen“ bei den privat verursachten Gebühren halten.

Zuschüsse zu Umzugskosten, Miete

Auch hier können beide Seiten finanziell punkten: Die Zuschüsse sind bis zu bestimmten Grenzen steuerfrei und kommen damit ohne Abzüge beim Mitarbeiter an, die Firma hat im Gegenzug einen deutlich geringeren Aufwand als bei einer vergleichbaren Gehaltszahlung. Zudem fällt Umzugsaufwand nur einmal an und erhöht damit nicht auf Dauer die Grundvergütung, ebenso die meist zeitlich begrenzt gezahlten Mietzuschüsse.

Firmenwagen

Hier kommt zur ausgesprochen günstigen Besteuerung beim Mitarbeiter für viele Firmen der Vorteil, dass sie mit großen Bestellungen günstige Bedingungen bei den Leasingfirmen aushandeln können, sodass Arbeitnehmer und Arbeitgeber Vorteile realisieren können.

(Martin Kinkel, 2010 / Bild: Andres Rodriguez, Fotolia.com) 

 

 

 

 

Martin Kinkel / Dipl.-Volkswirt und Dipl.-Kaufmann,

ist freier Fachautor und Dozent zu Finanz-, Steuer- und Versicherungsthemen.
Er ist Verfasser des Ratgebers „Job & Money für jüngere Arbeitnehmer“.