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Kapitalbeteiligung: Das sollten Personaler wissen

Kapitalbeteiligung: Das sollten Personaler wissen

Mitarbeiter am Kapital zu beteiligen ist heute wichtiger denn je. Wir informieren über Grundlagen, steuerliche Anreize, Mitbestimmung und wichtige Regelungen.  


Was genau heißt "Kapitalbeteiligung"?

Die Mitarbeiterbeteiligung untergliedert sich in die Beteiligung am Erfolg einerseits und die Kapitalbeteiligung andererseits. Wesentliches Merkmal der Kapitalbeteiligung ist, dass der Mitarbeiter Gehalts- oder Vermögensbestandteile in die Beteiligung einbringt, die er ansonsten konsumtiv oder investiv verwenden könnte. Hieraus folgen drei wesentliche Aspekte:

  • a) die Beteiligung wird aus bereits versteuerten Entgeltbestandteilen gespeist
  • b) die Beteiligung steht in Konkurrenz zu anderen Anlageformen, und
  • c) bringt der Mitarbeiter Kapital in "sein" arbeitgebendes Unternehmen ein, kann dies als Vertrauensbeweis und Zeichen überdurchschnittlicher Identifikation gewertet werden.

Welche Anreize gibt es auf steuerlicher Ebene?

Viele Kapitalbeteiligungsmodelle nutzen geldliche Anreize, die das Steuerrecht bietet. Zu erwähnen ist zum einen der § 3 Ziff. 39 EStG. Dieser ermöglicht es dem Arbeitgeber, eine Kapitalbeteiligung mit bis zu € 360 pro Mitarbeiter und Jahr zu bezuschussen. Der Zuschuss ist steuer- und sozialversicherungsfrei.

Da er buchhalterisch dem Entgelt zugerechnet wird und über die Kapitalbeteiligung Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Mittel geschaffen werden können, ist dieser Finanzierungsweg eine attraktive Methode zur Eigenkapitalstärkung und der Verbesserung des Ratings.

Darüber hinaus ist eine Kapitalbeteiligung dann, wenn die Einkommensgrenzen dies erlauben, über VL auf Grundlage des 5. VermBG möglich. Wird dieser Finanzierungsweg in den Modellbestimmungen vorgesehen, ist die Ausreichung einer Sparzulage nach Ablauf der Sperrfrist von 6 Jahren in Höhe von 20% auf eine VL-Obergrenze von € 400 möglich.
Beide Förderkomponenten stellen wesentliche Anreize dar und beeinflussen die Rendite der Kapitalbeteiligung teilweise erheblich.

Inwieweit schauen beteiligte Mitarbeiter der Geschäftsführung in die Karten?

Die Kapitalbeteiligung des Mitarbeiters ist ein Vertrauensvorschuss an den Arbeitgeber. In der Praxis basiert die Mitarbeiterentscheidung daher auf einem Verhältnis gegenseitiger Akzeptanz. Oft genug werden die Beschäftigten auch über betriebswirtschaftliche Sachverhalte, wie Umsatz, Auslastung oder Produktivität der Firma regelmäßig in Kenntnis gesetzt.

Auf dieser Grundlage hat eine Kapitalbeteiligung ein solides Fundament. Dort jedoch, wo der Mitarbeiter über wirtschaftliche Belange nicht oder nur sehr begrenzt informiert wird, sollte nachgebessert werden. Denn: das Hauptziel der Kapitalbeteiligung ist, den Mitarbeiter zum Mitunternehmer zu machen. Und Mitunternehmer kann er nur werden, wenn ihm "mitunternehmerische" Daten zur Verfügung gestellt werden.

Dies muss nicht viel sein, sollte aber zumindest ein Signal in das Vertrauen in den Mitarbeiter darstellen, mit diesen zur Verfügung gestellten Informationen auch mit der gebotenen Sorgfalt und Vertraulichkeit umzugehen. "Staatsgeheimnisse" gehören jedoch nach wie vor nicht ans schwarze Brett.

Ist mein Unternehmen reif für die Beteiligung der Mitarbeiter am Kapital?

Eine "Kapitalbeteiligungsreife" ist dann vorhanden, wenn ein partnerschaftliches Verhältnis praktiziert wird. Darüber hinaus ist aber auch von hoher Bedeutung, dass in der jüngsten Vergangenheit, z.B. in den letzten zwei bis drei Jahren, akzeptable Ergebnisse erwirtschaftet wurden.

Dieser Trend sollte sich auch in absehbarer Zeit fortsetzen und nicht abbrechen. Kehrt sich das Ergebnis jedoch (unvorhersehbar) nach Modelleinführung ins negative, sind, so zeigt es die Praxis in vielen Fällen, Mitarbeiter bereit, wieder einen Beitrag zu leisten, damit das Unternehmen wieder auf den bisherigen Wachstumspfad zurück kehren kann. Dieser Beitrag muss aber nicht immer nur im Lohnverzicht bestehen. Wesentlich kreativer, und oft wirksamer, sind in dieser Phase Maßnahmen, die die Einsatzbereitschaft der Beschäftigten fordern und fördern.

Und wie steht es um die Mitbestimmung?

Die Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter unterliegt nicht der betrieblichen Mitbestimmung. Die Auswahl der Form des Beteiligungsmodells, die Definition des Kreises der Beteiligungsberechtigten oder die Höhe der Kapitalbedienung sind allesamt Parameter, deren Ausgestaltung eine rein unternehmerische Entscheidung ist.

Dennoch empfiehlt es sich, den Betriebsrat eng in die Überlegungen der Modellgestaltung einzubeziehen. Die arbeitsrechtlichen Grundlagen des Beteiligungsmodells sollten zudem auf deiner freiwilligen Betriebsvereinbarung beruhen. Diese Vorgehensweise ist nicht nur aus Gründen der Partnerschaftlichkeit geboten, sondern erzeugt auch zusätzliches Vertrauen auf Seiten der zukünftig beteiligten Mitarbeiter.

Wie kann ein Kapitalbeteiligungsmodell eingeführt werden?

Zu Beginn des Projektes sollte eine ausführliche Informationsphase stehen. Hierzu kann der Erwerb von Fachbüchern, der Besuch bei einem Beteiligungsunternehmen oder eine Informationsveranstaltung beitragen. In Schritt zwei sind die Eckpunkte des zukünftigen Beteiligungsmodells zu ermitteln. Dies geschieht meist innerhalb der Leitungsebene. Darauf aufbauend können Details erarbeitet werden, deren Ausgestaltung sich innerhalb der in Schritt zwei definierten Eckpunkte bewegen. Anschließend steht die Information der Mitarbeiter an. Dies kann über Veranstaltungen, Schulungen oder Broschüren erfolgen.

Wichtig ist, diesen Weg unter Einbindung aller maßgeblichen Stellen (Gesellschafter, Geschäftsführung, Finanzen, Personal, BR) zu gehen und möglichst auch einen fachkundigen Externen mit einzubeziehen. In diesem Rahmen sollte man sich unbedingt darüber vergewissern, dass der Berater nicht nur ein in der Vergangenheit entwickeltes Modell wiederholt verkauft, sondern über eine ausreichende Spezialisierung auf Belange der Mitarbeiterkapitalbeteiligung verfügt.

(Stefan Fritz, 2009 / Bild: Joachim Wendler, Fotolia.com)