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Home-Office im Realitätscheck: Der Traum von der virtuellen Arbeit – geplatzt?

Home-Office im Realitätscheck: Der Traum von der virtuellen Arbeit – geplatzt?

 Home-Office wurde noch zu Beginn des Jahres von vielen Kandidaten als ein absoluter Mehrwert angesehen. Durch die Corona-Pandemie hat die Begeisterung zwischenzeitlich aber abgenommen. War der Traum von der schönen neuen Arbeitswelt nur schöner Schein?

Anfang 2020: Großer Hype um das Home-Office

32,2 Prozent der Kandidaten gaben laut der Monster-Studie „Recruiting Trends“ noch zu Beginn des Jahres an, wie wichtig Home-Office für sie  ist. So wichtig, dass sie ein Jobangebot sogar ausschlagen würden, wenn es keine Möglichkeit gäbe, ab und an von zuhause zu arbeiten. Innerhalb der Generation Z teilten sogar vier von zehn Kandidaten diese Meinung.

Dann kam Corona. Und mit der Pandemie geschah etwas, was bislang undenkbar gewesen wäre: Viele Unternehmen verabschiedeten sich komplett oder in großen Teilen ins Home-Office. Jeder Zweite (49 Prozent) arbeitete laut einer Erhebung des Digitalverbands Bitkom ab Mitte März in den eigenen vier Wänden und tut das nach wie vor. Für einige Arbeitnehmer ist das eine ganz neue Erfahrung: Immerhin ist fast jeder Fünfte (18 Prozent) vor der Krise nie in den Genuss von Home-Office gekommen.

 Der jüngeren Generation fällt die Decke auf den Kopf

Und inzwischen hat sich die einstige Euphorie für die Remote Arbeit getrübt, wie Monster jetzt zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen YouGov herausgefunden hat. Eine gemeinsame repräsentative Umfrage zeigt, dass ausgerechnet den Jüngeren, die das Home-Office vor ein paar Wochen noch zum absoluten Must-Have erklärt haben, langsam aber sicher die Decke auf den Kopf fällt.

Sie haben zwar mehr Zeit für Privates (36 Prozent) und versuchen auch im Job das Beste aus der Situation zu machen (27 Prozent). Jeder Fünfte hat aber Probleme damit, den Kontakt zu Kollegen aufrechtzuerhalten. Genauso viele geben an, dass es ihnen zu fade sei, rund um die Uhr zuhause zu arbeiten. Zum Vergleich: In der Generation 55+ haben nur 9 Prozent dieses Gefühl.

Denkwandel in Sachen Home-Office?

Wie ist dieser Denkwandel einzuordnen? Ein Erklärungsversuch: „Für die jüngere Generation, die meist noch nicht lange im Job ist, bedeutet das Arbeiten von zuhause eine echte Herausforderung“, vermutet Dr. Katrin Luzar, Senior Director Marketing bei Monster. „Viele sind für den ersten Job in eine neue Stadt gezogen und bauen ihr berufliches und soziales Umfeld gerade erst auf. Durch Beschränkungen und Sicherheitsvorkehrungen werden sie dabei ausgebremst und haben Schwierigkeiten, wirklich Anschluss zu finden. Oft leben die Jüngeren außerdem alleine und nicht mit einer Familie, sodass die Isolation sicherlich noch intensiver erlebt wird.“

Es gibt aber auch die, die vom Home-Office profitierten. Ein Teil der 35-44-Jährigen, die Kinder, Job oder teilweise auch pflegebedürftige Angehörige unter einen Hut bringen müssen, freut sich über einen größeren zeitlichen Spielraum. Immerhin jeder Fünfte (24 Prozent) fühlt sich dank Home-Office ausgeglichener, weil sich Beruf und Familie besser koordinieren lassen. Wobei die Zufriedenheit ganz offensichtlich stark von der häuslichen Situation abhängt. Befinden sich zwei Kinder unter 18 Jahren im Haushalt, fühlt sich schon wieder jeder Vierte gestresster als vorher.

Ist der Zauber des Home-Office nun weitgehend verflogen?

Die Meinungen gehen also weit auseinander. Was bedeutet das nun für die Zeit nach der Krise? Ist der Zauber des Home-Office verflogen? Im Gegenteil. Alles deutet darauf hin, dass viele Betriebe und Kandidaten daran festhalten wollen. Allerdings nicht 24/7. Stattdessen präferieren beide Seiten ein Hybrid-Modell, also eine gesunde Mischung aus Präsenzarbeit und Home-Office. Der Mix macht’s also.

Langfristig könnte deshalb fast jeder dritte Büro-Arbeitsplatz in Deutschland verwaisen, schätzt die Unternehmensberatung Bain & Company laut WELT AM SONNTAG. Nach Berechnungen der Berater könnten in den nächsten fünf bis sieben Jahren zwischen drei und fünf Millionen Angestellte ihren Arbeitsplatz teilweise nach Hause verlegen. Das dürfte die Arbeitswelt ziemlich umkrempeln.

 Neue Arbeitswelt: Erst wichtige Weichen stellen

Wir schließen allerdings aus den vergangenen Wochen: Zuerst müssen noch die richtigen Weichen gestellt werden, damit Heimarbeiter dann nicht wieder eine ähnlich ernüchternde Erfahrung im Home-Office machen wie während des Lockdowns.

Aus unserer Sicht müssen dabei die folgenden Punkte berücksichtigt werden:

  • Es muss das richtige technische Equipment her, damit Mitarbeiter im Home-Office voll arbeitsfähig und ans Team angebunden sind.
  • Es müssen unternehmensübergreifende Home-Office-Regeln vereinbart werden, die festlegen, wie flexibel und wie oft Mitarbeiter Home-Office Tage einlegen können und zu welchen Gegebenheiten Präsenzpflicht besteht.
  • Home-Office ist auch ein Thema in der Personalentwicklung: Zum Beispiel müssen Führungskräfte  Kompetenzen aufbauen, um virtuelle oder teilweise virtuelle Teams führen und motivieren zu können.
  • Entsprechend müssen auch Mitarbeiter Kompetenzen aufbauen, um auch im virtuellen Raum eine gute Performance abliefern zu können.

Fazit: Der Eintritt in eine neue Arbeitswelt kann nicht von heute auf morgen übers Knie gebrochen werden. Aber die Tür steht ohne Zweifel bereits einen Spalt offen.