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Das Telefoninterview

Das Telefoninterview


Wenn Sie sich schnell einen ersten Eindruck von einem Bewerber verschaffen oder offene Fragen klären möchten, bietet sich ein Telefoninterview an. Karriere-Expertin Doris Brenner sagt, worauf Sie achten müssen.

 

 

Wenn es darum geht, eine Vorauswahl zu treffen, ist die Aussagekraft eines Telefoninterviews recht hoch, insbesondere dann, wenn Ihnen zusätzlich schriftliche Bewerbungsunterlagen als Gesprächsgrundlage vorliegen.

Ein maximal halbstündiges Gespräch kann Ihnen folgende Informationen über den Bewerber liefern:

  • Verfügt der Kandidat über die für den Job nötige sprachliche Ausdrucksfähigkeit?
  • Wie hoch ist sein Reaktionsvermögen?
  • Verfügt er über logisches Denken?
  • Ist sein Verhalten situationsgerecht?
  • Wie ist es um seine Argumentationsfähigkeit bestellt?
  • Wie präsentiert er sich?
  • Wie wirkt er am Telefon?
  • Besitzt er das nötige Überzeugungstalent? 
Tipp!
Insbesondere wenn Sie eine Stelle zu besetzen haben, die einen intensiven telefonischen Kontakt mit Kunden beinhaltet, sollten Sie in jedem Fall ein Telefoninterview mit den Kandidaten führen, um dessen Wirkung am Telefon kennen zu lernen.


Gehaltsvorstellungen abgleichen

Das Telefoninterview eignet sich auch hervorragend, um Ungereimtheiten, die es bei der Durchsicht der Bewerbungsunterlagen gegeben hat, zu klären oder Gehaltsvorstellungen abzugleichen. Damit festigen Sie Ihre Entscheidungsbasis, ob ein Vorstellungsgespräch Sinn macht oder nicht.

Telefoninterviews können unangemeldet oder mit vorheriger Terminvereinbarung durchgeführt werden; beides ist in der Praxis üblich.

Angemeldet oder unangemeldet?

Für das unangemeldete Telefoninterview spricht, dass Sie testen können, ob der Bewerber die Fähigkeit besitzt, sich schnell in dieser Situation zurecht zu finden. Flexibilität, situationsgerechtes Verhalten und Reaktionsvermögen sind hier insbesondere Kriterien, zu denen Sie Aussagen erhalten.

Selbst wenn Sie den Bewerber nicht im ersten Anlauf erreichen, kann dies einen Informationsgehalt für Sie bringen – etwa, wenn Sie den Erstkontakt mit dem Anrufbeantworter des Bewerbers bestreiten. Von Urwaldtönen bis zu fetzigen Sprüchen wie "Hallo Leute, bei mir seid Ihr richtig, nur ich bin auf Tour" wird Ihnen so einiges begegnen. Das verschafft bereits einen Eindruck, ob der Kandidat eher zu der wilden oder seriösen Truppe zu zählen ist und wie gut das zu Ihrem Unternehmen passt.

Tipp!
Wenn Sie feststellen, dass Sie den Bewerber in einer unpassenden Situation erreichen oder er gerade beim Anruf auf dem Handy im Straßenverkehr steckt, sollten Sie in jedem Fall einen neuen Telefontermin vereinbaren. Der Kandidat sollte die Chance haben, sich in ruhiger und entspannter Atmosphäre angemessen auf das Gespräch konzentrieren zu können.


Berufstätige nicht in die Bredouille bringen
 
Bei berufstätigen Kandidaten sollten Telefoninterviews bevorzugt in den frühen Abendstunden geführt werden. Ein Anruf bei der derzeitigen Arbeitsstelle, ist weniger zu empfehlen, selbst wenn die Büronummer angegeben ist. Sie könnten den Bewerber in eine peinliche Situation bringen – etwa, wenn der derzeitige Chef Gesprächsfetzen aufschnappt und mitbekommt, dass sein Mitarbeiter auf der Suche nach einem neuen Job ist.

Vorterminierte Interviews haben den klaren Vorteil, dass der Kandidat im Hinblick auf Ort und Zeit entsprechende Vorkehrungen treffen kann, die einen ungestörten Gesprächsablauf sicherstellen.

Interviewleitfaden anfertigen

Es hat sich in der Praxis bewährt, einen Interviewleitfaden für das Telefoninterview anzufertigen. Dies kann Ihnen helfen, eine solide Vergleichsbasis bei der Beurteilung der einzelnen Bewerber zu erhalten und wichtige Themenbereiche nicht ganz unberücksichtigt zu lassen.

Der Zeitrahmen für ein Telefoninterview liegt in der Regel zwischen 10 und 30 Minuten. Machen Sie sich zu den einzelnen Antworten des Kandidaten entsprechende Notizen, die die vorliegenden Bewerbungsunterlagen ergänzen. Eine gute Vorbereitungshilfe für das eigentliche Vorstellungsgespräch!

Wenn der Bewerber zum Telefon greift

Das Telefoninterview muss aber wohlgemerkt nicht immer von Ihnen ausgehen. Nutzen Sie die Chance, über einen Bewerber bereits am Telefon mehr zu erfahren, wenn er von sich aus mit Ihnen Kontakt aufnimmt. Machen Sie sich anhand des Telefonats ein Bild, das Sie dann mit den schriftlichen Unterlagen vergleichen können.

Indem Sie in Stellenanzeigen direkt darauf hinweisen, dass Sie für einen ersten telefonischen Kontakt zur Verfügung stehen, nehmen Sie den Bewerbern die Scheu, mit Ihnen auf diesem Wege Kontakt aufzunehmen.Es ist in diesem Fall empfehlenswert, immer einen telefonischen Interviewleitfaden griffbereit zu haben, um auch die für Sie wichtigsten Punkte anzusprechen.

(Doris Brenner, April 2010 / Bild: Artmann Witte, Fotolia.com)

Doris Brenner
ist freie Beraterin mit den Schwerpunkten Personalentwicklung und Karriereberatung. Sie verfügt über Erfahrung in der Industrie sowohl in Führungspositionen als auch im strategischen und operativen Personalwesen. Ihre Veröffentlichungen sind in einer Gesamtauflage über 600.000 Exemplaren erschienen.
www.karriereabc.de/ 




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