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Frauen an die Macht

Frauen an die Macht


Frauenquote, weibliche Führungskräfte, Integration, Personalauswahl, TalentmanagementEin Mehr an weiblichen Führungskräften ist politisch und gesellschaftlich gewünscht. 30 Dax-notierte Unternehmen haben sich auf Initiative von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder nun zu einem Selbsttest in punkto Frauenquote verpflichtet. Freiwillig wohlgemerkt. Ein erster Erfahrungsbericht.

 

 

Von Michael Vogel

Adidas ist einer von 30 Freiweilligen. Die Unternehmen, die im Aktienindex Dax notiert sind, haben sich auf Initiative von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder selbstverpflichtet, den Frauenanteil in Führungspositionen in den nächsten Jahren mit verbindlichen Zielvorgaben für das jeweilige Unternehmen deutlich zu erhöhen. "Die freiwillige Selbstverpflichtung sehen wir als den zielführenderen und nachhaltigeren Weg, der eine gesetzliche Regelung entbehrlich macht", sagt Danja Frech, Senior Vice President Group Functions, Diversity & Inclusion bei Adidas. "Die Dax-Unternehmen verpflichten sich damit zu einer nachhaltig ausgerichteten Personalentwicklung, um eine angemessene Vertretung von Frauen in Führungspositionen insbesondere auch im Top-Management zu gewährleisten."

Größere Transparenz bei Personalauswahl und Talentmanagement

Damit verbunden soll bei Adidas auch eine größere Transparenz bei Personalauswahl und Talentmanagement sein. "Die Ziele sind gemeinsam mit den Führungskräften der einzelnen Abteilungen individuell definiert worden", so Frech. Da jeder Bereich für seine Zielerreichung auch selbst verantwortlich sei, würden Frauen in allen Bereichen gefördert und gefordert. Bis 2015 will Adidas den Anteil weiblicher Führungskräfte auf 32 Prozent erhöhen und setzt dazu vor allem auf die Führungsnachwuchsprogramme. "In den kommenden Jahren werden wir dort den Frauenanteil signifikant auf bis zu 35 Prozent steigern", sagt Frech.

Dass die Dax-Unternehmen sich zu einer Selbstverpflichtung durchgerungen haben, ist ganz im Sinne der Bundesfamilienministerin, die bekanntlich eine politisch festgelegte Frauenquote in den Unternehmen für den falschen Weg hält. In der EU-Kommission sieht man das derzeit anders. Mitte November hatte sich EU-Justizkommissarin Viviane Reding mit ihrer Forderung durchgesetzt, wonach bis zum Jahr 2020 alle Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen in Europa zu mindestens 40 Prozent mit Frauen besetzt sein müssen. Einen entsprechenden Vorschlag zur Quote für Vorstände brachte Reding nicht durch die Kommission.

Frauen-Karriere Index

Der Vorschlag zu den Aufsichtsräten bedarf zunächst der Zustimmung des Europaparlaments und des EU-Ministerrats. Ausgang ungewiss. Laut der Managementberatung Kienbaum liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der Dax-Unternehmen derzeit bei 15 Prozent, gemittelt über die Leitindizes Dax, MDax, SDax und TecDax bei zehn Prozent. Die korrespondierenden Zahlen für den Frauenanteil in den Vorständen sind sieben und fünf Prozent.

Als Teil ihrer Politik, die auf "die Kraft von Transparenz und Wettbewerb" setzt (Schröder), hat das Familienministerium auch den Frauen-Karriere-Index ins Leben gerufen. Er soll die objektive Messung und Vergleichbarkeit der Fortschritte in Unternehmen dokumentieren. In der ersten Runde haben nun die 30 Dax-Unternehmen sich dieser Evaluation unterzogen, die auf begleiteten Selbstauskünften der Unternehmen beruht. Der Index beurteilt anhand von differenzierten Einzelkriterien, wie weit das jeweilige Unternehmen dabei gekommen ist, den Frauenanteil in Führungspositionen auf allen Ebenen zu erhöhen. Entwickelt hat den Frauen-Karriere-Index ein Wissenschaftlerteam im Auftrag des Bundesfamilienministeriums. Wer das konkret war, dazu wollte sich eine Pressesprecherin des Ministeriums nicht äußern.

Frauen in Führungspositionen: Deutschland hat Nachholbedarf

Verbunden mit der Veröffentlichung des ersten Frauen-Karriere-Index ist die Hoffnung, dass künftig weitere Unternehmen an der Evaluierung teilnehmen. Personaler, die sich dafür interessieren, können über die Website Kontakt zum Projektbüro aufnehmen. Die Unternehmen würden dann detailliert informiert werden, so die Sprecherin des Bundesfamilienministeriums. Man stelle den Frauen-Karriere-Index und die dahinterstehende Thematik außerdem auf zahlreichen Veranstaltungen vor. Die Website selbst liefert zum Procedere der Evaluierung bislang keine Informationen.

Dass Deutschland mit Blick auf die Zahl der Frauen in Führungspositionen einen Nachholbedarf hat, ist inzwischen weitgehend unumstritten. So stellen Frauen zum Beispiel 51 Prozent der Hochschulabsolventen, aber nur 31 Prozent der leitenden Funktionen in Unternehmen, wie die Managementberatung Booz & Company im Rahmen ihrer Studie "Third Billion Index" festhält. "Im Top-Management der 500 größten deutschen Konzerne beträgt der Frauenanteil sogar nur 2,4 Prozent", sagt Christine Rupp, Partnerin und Recruiting-Verantwortliche bei Booz & Company.

Der "Third Billion Index" ist eine Metastudie, die bereits veröffentlichte Daten über den wirtschaftlichen und sozialen Status von Frauen auswertet und ihren Schwerpunkt auf das Thema "Frauen im Arbeitsleben" legt. Deutschland schneidet darin im weltweiten Vergleich mit Platz 8 vielleicht besser ab als mancher erwartet hat. Allerdings sind für die hiesige Arbeitswelt ja nicht unbedingt Länder wie Sudan, Pakistan oder der Jemen der Maßstab, die auf den letzten Plätzen liegen. In ihrer detaillierten Analyse Deutschlands kommen die Studienautoren denn auch zu dem Schluss, dass nun vor allem die Unternehmen gefordert sind, um den Frauenanteil in den oberen Führungspositionen spürbar zu erhöhen. (Bild: Istockphoto)