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Recruiting Trends 2020: Wie steht’s um den Perfect Fit, Herr Professor Weitzel?

Recruiting Trends 2020: Wie steht’s um den Perfect Fit, Herr Professor Weitzel?

Es ist wieder soweit. Am Donnerstag, 5 März, stellt Professor Tim Weitzel von der Uni Bamberg die neuesten Ergebnisse unserer gemeinsamen Studie „Recruiting Trends“ vor. Dabei lüften wir das Geheimnis, wie Unternehmen und perfekt passende Kandidaten zusammenfinden. Ort des Geschehens: Das Monster Symposium in Frankfurt. Das Motto: The Perfect Fit.

Das Interview führte Sonja Dietz

Müssen Arbeitgeber ihr Employer Branding für den Perfect Fit, als die perfekte Passung zwischen Kandidaten und Unternehmen optimieren? Falls ja: Wie?

Auf jeden Fall. Das Employer Branding liefert Kandidaten wichtige Informationen, ob sie zu einem Unternehmen passen könnten, und ob es eine gute Idee ist, sich dort zu bewerben oder ein Jobangebot anzunehmen. Daher müssen Unternehmen eine aussagekräftige und vor allem authentische – also wahre – Arbeitgebermarke aufbauen. Dies gelingt leider nicht durch einfache Tools, Einzelmaßnahmen oder schöne Prospekte.

Wie geht‘s besser?

Der richtige Weg ist ebenso klar wie grundlegend: Die nach außen kommunizierten Werte müssen innen auch wirklich umgesetzt sein und gelebt werden. Unsere Recruiting Trends 2020 zeigen, dass die Attraktivität eines Arbeitgebers für Kandidaten mit dem Arbeitsbeginn signifikant sinkt. Mitarbeiter bewerten Unternehmen also deutlich schlechter als Kandidaten. Vor allem bei wichtigen Kandidatenlieblingen wie Arbeitsklima, gegenseitiger Wertschätzung und Home-Office gibt es erhebliche Unterschiede zwischen kommunizierter Unternehmens- und erlebter Mitarbeitersicht.

Welche Rolle spielt Technik, um den Perfect Fit zu gewährleisten?

Es gibt interessante neue, technisch unterstützte Chancen, wie Kandidat und Unternehmen zusammenkommen, und zwar auch jenseits der ausgetretenen Wege. So können Job-Empfehlungssysteme bislang ungeahnte, aber passende Arbeitsbereiche aufzeigen, weswegen vor allem viele Jüngere sie auch gerne benutzen. Wir zeigen in den aktuellen Recruiting Trends 2020, dass sich drei von zehn Kandidaten schon einmal auf einen Job beworben haben, auf den sie sich ohne den Vorschlag eines solchen Job-Recommenders nicht beworben hätten.

 


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Das Monster Symposium 2020 steht in diesem Jahr unter dem Motto „The Perfect Fit“. Entdecken Sie gemeinsam mit uns die HR-Themen der Zukunft und nehmen an der exklusiven Präsentation der Studie „Recruiting Trends 2020“ mit Professor Tim Weitzel teil.
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Sind Roboter die besseren Recruiter, wenn es um den Perfect Fit geht? Wie stehen Kandidaten zu diesem Thema?

Maschinen sind auf keinen Fall die besseren Recruiter und werden es in der näheren Zukunft auch nicht sein. In ganz spezifischen Aufgabenbereichen allerdings könnten sie Menschen unterstützen und ergänzen und dann auch – richtig eingesetzt – zu besseren Ergebnissen führen.

Wie muss man sich das vorstellen?

Gerade zum Thema „Fit“ oder Passgenauigkeit denkt die Mehrheit der Recruiter, dass eine datengetriebene Vorauswahl von Bewerbern schneller und einfacher sein könnte. Die Idee ist: 5.000 Lebensläufe lesen kann die Maschine besser, mit den besten 50 Bewerbern reden der Mensch. Auch die Chance, diskriminierungsärmer zu selektieren, ist diskussionswürdig. Selbst wenn ungeschicktes Maschinenlernen den menschen-gemachten Bias – zum Beispiel gegen Frauen in Führungspositionen – imitieren kann, kann man das Maschinenverhalten wahrscheinlich eher erkennen und ändern als das Menschenverhalten.

Das gleiche gilt für die nächste große Recruiting-Herausforderung, das Rekrutieren für neue Berufsprofile, die noch weitestgehend unbekannt sind, richtig?

Gerade hier kann das vielzitierte Bauchgefühl des Menschen besonders heftig in die Irre führen. Der Nobelpreisträger Daniel Kahneman sagte über menschliche Intuition „intuition is recognition“, die Intuition ist also sehr gut darin ist, erfolgreiche in der Vergangenheit erkannte Muster für aktuelle Herausforderungen wiederzuerkennen und anzuwenden.

Wenn die aktuellen Herausforderungen aber andere sind als in der Vergangenheit, leitet uns die Intuition immer häufiger in die falsche Richtung, oder?

Menschen neigen wegen der Unsicherheit sogar dazu, sich noch stärker auf falsche Intuition zu verlassen. Auch das kann die Maschine nicht per se lösen, sie könnte aber im Prinzip schneller lernen, mehr Hinweise berücksichtigen und auch besser „umprogrammiert“ werden als Menschen.

Was ist Ihre Empfehlung?

IT-Systeme können zunehmend dazu beitragen, einen guten Fit zu finden. Es gibt genau zu dem Thema „Perfect Fit“ aber schon lange wissenschaftlich etabliertes und nützliches Wissen aus Jahrzehnten der Forschung zu Eignungsdiagnostik. Unsere Empfehlung ist, dieses Wissen in die eigenen Auswahlprozesse zu bringen, und parallel dazu offen auf die Möglichkeiten datengetriebenen und KI-gestützten Rekrutierens zuzugehen, um deren Chancen und Risiken aktiv verstehen und Lösungen mitgestalten zu können.

Inwiefern sind Mitarbeiterempfehlungen ein Instrument, um den Perfect Fit zu gewährleisten?

Mitarbeiterempfehlungen sind seit Jahren ein robuster Trend in der Rekrutierung und haben sich als drittstärkster Kanal für Neueinstellungen etabliert. Das hat mehrere Gründe. Durch die Erfahrungen des Mitarbeiters im Unternehmen und die sozialen Beziehungen zum Empfohlenen gibt es so beidseitig bessere Informationen, und der Empfohlene kann ein authentischeres Bild des Unternehmens jenseits der Hochglanzprospekte bekommen.

Wie wirkt sich das aus?

Eine Folge hiervon ist, dass empfohlene Neueinstellungen überdurchschnittlich lange im Unternehmen bleiben und besser zur Unternehmenskultur passen. Es gibt aber auch Grenzen. Nicht immer passen die Skills der Empfohlenen, und viele Mitarbeiter haben Angst, dass mögliche zukünftige Probleme auf sie zurückfallen könnten oder haben aus Frust wegen mangelnder Rückmeldung des eigenen Unternehmens zu ihren Empfehlungen aufgehört, Empfehlungen auszusprechen.

Welche Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang dem Mobile Recruiting zu?

Gut nutzbare mobile Kanäle zu Jobinformationen und Bewerbungen sind wie eine Internetpräsenz einfach Standard geworden. Ihre Bedeutung liegt derzeit weniger darin, bessere Kandidaten zu finden als vielmehr gute nicht abzuschrecken. Jeder vierte Kandidat der Generation Z bricht etwa die Jobsuche dauerhaft ab, wenn bei der Stellensuche auf einem mobilen Endgerät Darstellungsprobleme auftreten.

 

Professor Tim Weitzel…
…ist Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Informationssysteme in Dienstleistungsbereichen, an der Otto-Friedrich Universität Bamberg. Seine Forschungsschwerpunkte sind E-HRM, IT-Management, Outsourcing und Business IT Alignment. Professor Weitzel ist Autor von zehn Fachbüchern sowie einer Vielzahl international zitierter wissenschaftlicher Fachartikel.

 


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