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Fragen an Professor Laumer: Wie verändert sich das Jobprofil des Recruiters?

Fragen an Professor Laumer: Wie verändert sich das Jobprofil des Recruiters?

Professor Sven Laumer ist Co-Autor der Studie Recruiting Trends, die jährlich in Zusammenarbeit der Universität Bamberg mit MONSTER entsteht. Die genauen Details stellen wir am Donnerstag, 21. März 2019, beim jährlichen MONSTER-Symposium vor. Das Veranstaltungsmotto: Digitalisierung versus Human first. Eine grundlegende Erkenntnis: Die Digitalisierung wird das Jobprofil des Recruiters völlig umkrempeln. Wie? Professor Laumer gab uns dazu im Interview spannende Einblicke.

Das Interview führte Sonja Dietz

MONSTER: Recruiter haben aktuell wenig Angst, ihren Job durch die Digitalisierung zu verlieren – allerdings verändert sich das Jobprofil des Recruiters in den nächsten Jahren massiv. Wohin geht die Reise?

Professor Sven Laumer: Aktuell sind neun von zehn Recruitern der größten deutschen Unternehmen der Meinung, dass es gut ist, Aufgaben für die Effektivität und Effizienz der Rekrutierung zu digitalisieren. Die Angst, dass der eigene Arbeitsplatz wegfällt, ist unter Recruitern dagegen kaum zu verspüren. Nur jeder zwanzigste Recruiter hat aktuell Sorge, durch die Digitalisierung den eigenen Arbeitsplatz zu verlieren. Die Digitalisierung wird das Jobprofil des Recruiters aber erneut verändern: So geht mehr als die Hälfte der Recruiter aktuell davon aus, in Zukunft durch intelligente Maschinen unterstützt zu werden. Dies führt ebenfalls dazu, dass sich das Anforderungsprofil an Recruiter verändern wird.


MONSTER SYMPOSIUM 2019

WANN: DONNERSTAG, 21. MÄRZ 2019
BEGINN:  10:00 Uhr
WO: KAP EUROPA
Kongresshaus der Messe Frankfurt
Osloer Str. 5
60327 Frankfurt am Main

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MONSTER: Welche Fähigkeiten braucht der Recruiter 4.0 und warum?

Professor Sven Laumer: Nach Bewertung der Top-1.000-Unternehmen wird der Umgang mit Technik, Apps und Gadgets sowie das datenbasierte Recruiting in fünf Jahren deutlich wichtiger sein als heute. Fähigkeiten zur Bewerber(vor)auswahl oder zur Formulierung und Veröffentlichung von Stellenanzeigen werden hingegen in Zukunft unwichtiger sein, da diese Aufgaben von so genannten Recommender-Systemen ausgeführt werden können.

MONSTER: Wie haben sich die Anforderungen in den letzten 5 Jahren verändert?

Professor Sven Laumer: In den letzten fünf Jahren hat beispielsweise der Social-Media-Trend die Anforderungen an Recruiter verändert. Printmedien und Internet-Stellenbörsen waren zuvor statisch. Durch soziale Netzwerke sind jedoch Dynamiken entstanden und ein „One-size fits all“-Ansatz im Recruiting ist nicht mehr angemessen.

MONSTER: Was heißt das?

Professor Sven Laumer: Soziale Medien verlangen bidirektionale Kommunikationsstrategien und Recruiter mussten anfangen, in Netzwerkstrukturen zu denken und verstehen, wo sie ihre Zielgruppe finden. Durch die Entwicklung neuer Technologien werden sich die Anforderungen allerdings weiter verändern. Beispielsweise ist das Personalwesen durch den Mobile-Trend gefordert, sich mit Mobile Recruiting zu beschäftigen. Aktuell nutzt ein Fünftel der Kandidaten im Privatleben häufig schon kein Endgerät mehr mit Tastatur. Auf solche Entwicklungen muss inwischen auch HR reagieren.

MONSTER: Ein Blick in die Zunkunft: Neue Technologien wie Artificial Intelligence, Virtual Reality und Augmented Reality werden in der Rekrutierung aktuell noch sehr zurückhaltend eingesetzt. Bleibt das so?

Professor Sven Laumer: 3,5 Prozent der Top-1.000-Unternehmen planen Artificial Intelligence (AI) in Zukunft einzusetzen. Allerdings ist AI eine Technologie, die im Hintergrund agiert, sodass Recruiter und Kandidaten nicht zwingend mit dieser Technologie in Berührung kommen. Beispielsweise kann ein Recommender-System eine künstliche Intelligenz beinhalten. Recuiter und Kandidaten müssen jedoch nur mit deren grafischer Oberfläche umgehen und nicht mit den dahinterliegenden Funktionen und Algorithmen.

Jedes zehnte Unternehmen plant den Einsatz von Virtual-Reality-Anwendungen und 3,5 Prozent den Einsatz von Augmented-Reality-Anwendungen. Hier sehen auch vier von zehn Unternehmen durch den Einsatz dieser neuen Technologien einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihrer Konkurrenz. Weiterhin sind vier von zehn Unternehmen der Meinung, dass durch Technologien wie VR und AR die Begeisterung der Kandidaten für das eigene Unternehmen gesteigert werden kann. Insbesondere weckt es die Begeisterung von Kandidaten aus der Generation Z.

MONSTER: Bei all dem technischen Fortschritt: Bleibt das Recruiting menschlich? Wird es aufgrund der Technik vielleicht sogar menschlicher?

Professor Sven Laumer: Die Digitalisierung soll ja gerade helfen, Menschen Vorteile zu bringen. Beispielsweise glaubt fast die Hälfte der Top-1.000-Unternehmen, dass IT wie bspw. Talent-Recommender das Active Sourcing diskriminierungsärmer machen. 35 Prozent der Kandidaten glauben, dass Automatisierung hilft, die Rekrutierung diskriminierungsärmer zu gestalten.

 

Profesor Sven Laumer________________________________

…ist Schöller-Stiftungsprofessor für Wirtschaftsinformatik, insb. Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft am Institut für Wirtschaftsinformatik des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Friedrich-Alexander Universität Erlangen Nürnberg. Er ist Vize-Direktor des Centre for Human Resources Information Systems (CHRIS), Mitautor der beiden Studienreihen “Recruiting Trends” und “Bewerbungspraxis”, berät Unternehmen hinsichtlich der Gestaltung des Personalbeschaffungsprozesses und hält Vorträge auf Kongressen sowie Seminaren über den Einsatz von IT in der Personalbeschaffung sowie zur Zukunft der Arbeit.