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Familienfreundlichkeit: Zwischen Laptop und Windeln

Familienfreundlichkeit: Zwischen Laptop und Windeln

In eigener Sache: „Zwischen Laptop und Babywindeln“ – so hieß ein Artikel über mich aus dem Jahre 1993, erschienen in der Rheinischen Post. Ich war eine der ersten Managerinnen, die in Teilzeit auf eine leitende Funktion nach der Babypause zurückkam. Damals war das einen Artikel wert! Heute wird das Thema wieder heiß in den Medien diskutiert.

 

Von Ina Claßen

Kaum ein Medium, das sich nicht mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auseinandersetzt. Die Headlines erstrecken sich von "Familie und Beruf geht das?" über "Dilemma zwischen Familie und Beruf" bis hin zu "Die Digitalisierung bringt Job und Familie zusammen". Alles scheint also möglich – von der absoluten Unvereinbarkeit bis hin zur maximalen Vereinbarkeit. Doch bei dem Thema Beruf und Familie, Kinder und Karriere gibt es immer zwei Seiten, wie so oft im Leben: Die der Mütter und der Arbeitgeber. Eigentlich gibt es sogar drei – da ist ja auch noch das Kind.

Das familienfreundliche Unternehmen

Auf Unternehmensseite ist es denkbar einfach – aber auch nur denkbar. Theoretisch also. Schafft eine familienfreundliche Organisation, Teilzeitangebote, Betriebskindergärten, Home-Office Möglichkeiten, flexible Arbeitszeiten und –orte, einsichtsfähige und verständnisvolle Vorgesetzte und sich selbst organisierende Teams. Erledigt.

Auf der Seite der Frau, der "Mami", auch da ist vermeintlich alles in Ordnung. Das Unternehmen hat die organisatorischen Aspekte geregelt, die Bereitschaft ist da, der Mutter die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen – also nach der Geburt und der Babypause  – ist alles klar. Gut organisiert zurück an den Schreibtisch.

Endet der Artikel hier? NEIN.  Denn nichtsdestotrotz stehen viele Frauen nach ihrem Wiedereinstieg unter erheblichem Druck. Denn in aller Regel haben sich die Bedingungen für diese Mütter radikal geändert und niemand hat sie darauf vorbereitet.

Ihr Mütter, die ihr diesen Beitrag lest: Seid Ihr wirklich FAN Eurer eigenen Rolle? Habt Ihr Eure persönliche „Traumrolle“ im Kontext Familie und Beruf wirklich schon entdeckt? Habt Ihr Euch die Zeit genommen, den Mut gehabt, Euch zu fragen, was Ihr eigentlich wollt, ehe über die Umsetzung gesprochen wurde?

Top-Managerin zurück im Top-Job – aber alles ist anders

Wie war das denn? Tag X, das Baby war da. Alles war vorher irgendwie klar. Da war der Top-Job, nur der Top-Job. Und es wäre doch gelacht, wenn man es nicht hinbekommen würde, sich und das Baby und das bisschen drum herum zu strukturieren und zu organisieren. "Das bisschen Familie" - das bekommt man doch locker in den Griff, und dann ist alles wieder wie vorher.

Doch der Realitätsschock kommt und ist nicht aufzuhalten. So ist es eben nicht!!! Das Gedankenkarussell beginnt sich schnell zu drehen: "Darf ich das zugeben? Ist das dann Schwäche? Ich lese doch jeden Tag von den Supermamis, deren Tag gefühlte 100 Stunden hat, die nie müde werden, die in jedem Lebensbereich super erfolgreich sind."

Darf man zugeben, dass da jetzt ein anderes Gefühl in einem ist? Jetzt, wo das Baby da ist, entwickelt sich eine Verantwortung, ein Schutzbedürfnis, ein Nicht-Loslassen-Wollen, ein wie-mach-ich-das-richtig-Gedankengezerre: "Bin ich eine Rabenmutter, wenn ich wieder arbeiten will…?"

Sind die Vorgesetzten vorbereitet? Eher nicht!

Ihr Vorgesetzen: Kümmert sich jemand, dass Ihr und das Team auf die veränderte Situation optimal vorbereitet seid? Da kommt die Mitarbeiterin oder Chefin zurück und hat nicht mehr nur einen Verantwortungsbereich – für den Job und das Team –,  sondern auch zuhause eine neue Verantwortung, die ihr absolut wichtig ist.

Da ist nicht mehr die zeitliche Flexibilität ("…ist doch egal, wann der Arbeitstag endet – nämlich dann, wenn die Aufgabe erledigt ist!"). Stattdessen gibt es feste Timings. Keine Meetings ab 18 Uhr mehr möglich. Führen in Teilzeit, möglich, ja klar. Aber eben anders als in Vollzeit.  Präsenzvorgesetze und virtuelle Chefin – das macht einen Unterschied, ich weiß, wovon ich rede.

Umso wichtiger, dass Firmen der neuen Situation der Mütter Rechnung tragen, sie beim Wiedereinstieg aktiv unterstützen. Im Transferbereich gibt es nach dem Auslandsaufenthalt einen Reentry-Prozess, in der Outplacementberatung ist der erste Schritt eine Standortbestimmung, ein Auseinandersetzen mit der aktuellen Situation:  Selbsteinschätzung, Festlegung des idealen Arbeitsumfeldes und so weiter.  Ich frage mich, warum gibt es so etwas nicht bei der Rückkehr nach der Babypause?

ReentryPlacement für weibliche Fach- und Führungskräfte

Warum nicht ein ReentryPlacement für weibliche Fach- und Führungskräfte? Das Ziel: Den Managerinnen einen Weg aufzuzeigen, auf welche Weise sie ihre Lust am Arbeitsleben mit den emotionalen Bedürfnissen der Mutterrolle verbinden können. Wie wäre es – vom Arbeitgeber initiiert, eine professionelle Unterstützung für die top ausgebildeten weiblichen Führungskräfte, die mit den Frauen erarbeitet, was diese wirklich wollen und wo sie stehen? Rollenentdecker sozusagen.

Die in einem "geschlossenen" Raum in einem ersten Schritt eine präzise emotionale Standortbestimmung im Kontext Kind und Karriere mit der Mutter erarbeiten, zunächst losgelöst von allen externen Einflüssen und Ansprüchen.
 
Die in einem  zweiten Schritt die mit der Mutter erarbeitete Traumrolle mit den Rahmenbedingungen abgleicht.

  • Was ist umsetzbar, was nicht?
  • Was muss mit dem Partner, dem Umfeld, dem Arbeitgeber angesprochen und abgestimmt werden?
  • Wie sieht die ideale Betreuung für das Kind aus?

Heraus kommt eine selbstbewusste Mutter, die weiß, wo sie steht, was sie will und die auch den Mut hat, dies zu kommunizieren. Heraus kommt ein klarer Aktivitätsplan, was zu tun ist. Heraus kommt eine Checkliste, die auf das Reentry Gespräch mit dem Arbeitgeber, der Personalabteilung und dem direkten Vorgesetzen sowie dem eigenen Team vorbereitet.

ReentryPlacement für Mütter setzt auch beim Vorgesetzten an. Er wird darauf vorbereitet, wie er das Reentry-Gespräch und den Reentry Prozess gestalten soll.

Das Ergebnis:

  • Sensibilisierung auf beiden Seiten
  • Verständnis der Situation, möglichen Konflikten und Chancen auf beiden Seiten
  • Eine starke Mitarbeiterbindung
  • Hohe Produktivität von Anfang an
  • Eine profilscharfe authentische Positionierung als wirklich familienfreundliches Unternehmen – und damit als attraktiver Arbeitgeber

Zwischen Laptop und Babywindeln – ……Werde FAN Deiner eigenen Rolle!