Tipps / Personalmanagement / Personalführung & Entwicklung / Feel Good Manager: Viel mehr als Vollzeitbespaßer!

Feel Good Manager: Viel mehr als Vollzeitbespaßer!

Feel Good Manager: Viel mehr als Vollzeitbespaßer!

„Pausenclown“ oder „Bespaßer“ in Vollzeit – das sind die wenig schmeichelhaften Spitznamen, die Feel Good Managern verpasst wurden, als das Thema noch neu war. Von der Realität ist das jedoch weit entfernt. Wohlfühlmanager haben einen Job mit sehr ernstzunehmendem Hintergrund. Und die Bedeutung steigt zusehends, wie Stefanie Frenking, Feel Good Managerin beim E-Commerce-Unternehmen Spreadshirt, in einem Interview berichtet.

Mit welchen Aufgaben beschäftigen Sie sich als Feel Good Managerin?
Als Feel Good Managerin bin ich Teil der Personalabteilung und eng verbunden mit der Kommunikationsabteilung. Eine meiner wesentlichsten Aufgaben ist auf alle Fälle das „Netzwerken“, was mit unserer Unternehmenshistorie zusammenhängt. Wir sind schnell gewachsen, vom Start-up mit einem Team, in dem noch jeder jeden kannte bis zu einer Größe von rund 600 Kollegen – knapp 300 allein hier am Standort in Leipzig. Ganz wichtig war uns in diesem Wachstumsprozess, dass wir die besondere Arbeitsatmosphäre, die wir als Start-up hatten, beibehalten und da spielt Netzwerken eine große Rolle. Der Job wächst sozusagen mit der Größe des Unternehmens und umfasst bei uns die ganze Bandbreite der Mitarbeiterbetreuung.

Und das heißt konkret?
Das beginnt mit der Integration neuer Kollegen aus dem In- und Ausland. Gerade bei letzterem kann das von der Wohnungsbesichtigung über die Unterstützung bei Behördengängen bis zum „Cultural Onboarding“ reichen. Für den Start jedes neuen Mitarbeiters gibt es einen Einarbeitungsplan, den alle mittragen, vom CEO bis zu den Kollegen aus den Abteilungen. Jeder neue Mitarbeiter arbeitet zum Beispiel einen Tag lang in der Produktion mit, um deren Abläufe kennenzulernen. Ein wesentlicher Teil meiner Tätigkeit liegt aber auch in der Betreuung der bestehenden Mitarbeiter. Dazu gehört die Organisation von Veranstaltungen – vom Feierabendbier bis zur Weihnachtsfeier – Aktionen zur Gesundheitsprävention, die Abstimmung eines Teils unserer Weiterbildungsmaßnahmen wie Sprachkurse und interne Know-how-Workshops und die interne Kommunikation.

Laut einer unserer Umfragen finden 76 Prozent der Befragten einen Feel Good Manager, der in ihrem Unternehmen für positive Stimmung sorgt, sinnvoll. Wie erklären Sie sich diesen Wunsch?
Wir verbringen einen großen Teil unserer Zeit an unserem Arbeitsplatz, da wünscht man sich natürlich, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Und ein Feel Good Manager kann viele Prozesse für die Mitarbeiter vereinfachen. Die Frage: „An wen kann ich mich wenden?“ stellt sich da nicht. Ein Feel Good Manager ist ein Versprechen des Unternehmens an die Mitarbeiter, ein klares Zeichen der Wertschätzung: Ihr seid uns wichtig, wir kümmern uns um euch.

Welche Licht- und Schattenseiten hat der Job im Feel Good Management?
Der Job ist unglaublich abwechslungsreich und macht mir allein schon deshalb viel Spaß. Ich mag es, nah an den Kollegen dran zu sein und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Das sind manchmal echte Herausforderungen, sorgt aber auch für wunderschöne emotionale Momente.  Als Feel Good Manager ist man quasi immer „in Bewegung“ und dabei, sich etwas Neues einfallen zu lassen.

Das kann aber auch an die Substanz gehen, oder?
Bei allem Einsatz sollte man es allerdings auch nicht persönlich nehmen, wenn man zum Beispiel etwas anbietet und dann die Hälfte der Leute absagt. Das kann passieren und sollte einen nicht entmutigen. Um Schattenseiten vorzubeugen ist es darüber hinaus wichtig, dass die Position und Funktion des Feel Good Managers klar umrissen ist, denn: Ich bin nicht die Animationstante aus dem All-inclusive-Club.

Welche Soft- und Hard Skills muss ein Bewerber für den Job des Feel Good Managers mitbringen?
Kommunikationsfähigkeit und Kreativität gehören auf alle Fälle dazu. Zu den wesentlichen Soft Skills gehören aber auch Menschenkenntnis und Empathie. Man muss sich in die Lage seines Gegenübers versetzen können und in schwierigen Situationen Verständnis für beide Seiten aufbringen. Wer dann noch Flexibilität mitbringt und neugierig bleibt, bringt schon viel für diesen Job mit. Was die Hard Skills betrifft sind sichere Sprachkenntnisse zumindest in Englisch ein „Muss“ und Organisationstalent sowie Projekt- und Eventmanagement-Skills absolut hilfreich.  

Wird der Erfolg Ihrer Arbeit durch ein Lächeln der Kollegen gemessen oder woran machen Sie die Zufriedenheit der Mitarbeiter fest?
Der Feel Good Manager trägt nach außen zum Employer Branding bei und intern zur Arbeitsatmosphäre, insofern lässt sich der Erfolg durchaus messen. Arbeitgeberbewertungen auf entsprechenden Portalen können da ein Erfolgsmesser sein. Und natürlich die direkte Abfrage bei den Mitarbeitern. Wir haben zum Beispiel in einer Umfrage unsere Mitarbeiter gefragt, ob sie Spreadshirt als Arbeitgeber empfehlen würden. Das haben 96 Prozent mit „Ja“ beantwortet und 86 Prozent haben das auch bereits getan. Mit deutlich messbarem Erfolg: Innerhalb von 15 Monaten kamen 23 Einstellungen allein durch Mitarbeiterempfehlungen zustande.

Und was ist Ihr persönlicher „Erfolgsquotient“?
Für mich gibt es tatsächlich noch einen ganz eigenen Indikator für Erfolg: Die Kollegen kommen zu mir und machen Vorschläge für neue Aktionen oder bieten mir ihre Unterstützung zum Beispiel für die internen Know-how-Workshops an. Das freut mich sehr.  

 
Noch eine letzte Frage: Braucht die Generation Y eher einen Feel Good Manager?
Das kann sein. Die Generation Y sieht Arbeit nicht als einzige Möglichkeit zur Selbstverwirklichung. Sie möchten Teil von etwas sein, von einer Gemeinschaft, einem Unternehmen, einer Entwicklung. Geld allein motiviert sie auf Dauer nicht. Für die Unternehmen heißt das, dass sie den Arbeitnehmer stärker in den Fokus stellen müssen und das kann der Feel Good Manager leisten.

 


 

Stefanie Frenking ist seit 2011 Feel-Good-Managerin bei Spreadshirt. In dieser Funktion ist sie mitverantwortlich für die Themen Firmenkultur und interne Kommunikation. Ihre  Position wurde geschaffen, weil es ab einer bestimmten Unternehmensgröße nicht mehr möglich ist, wichtige Aufgaben wie das Bewahren der positiven Startup-Firmenkultur und interne Kommunikation nebenbei zu erledigen. Spaß an der Arbeit und ein freundschaftliches Miteinander sollen trotz höchster Professionalität und stetigem Wachstum immer eine wichtige Rolle im Arbeitsalltag spielen. Mit ihrer Arbeit unterstützt und formt sie die Unternehmenskultur von Spreadshirt. Sie bringt Menschen zusammen, sorgt dafür, dass potenzielle Bewerber das Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber wahrnehmen und dass Mitarbeiter gern zur Arbeit kommen.
Während ihrer Eventmanagementausbildung war sie zunächst in Spanien bei einem Sprachreiseveranstalter sowie im Stadtmarketing in Leipzig tätig.