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Transfergesellschaften – besser als ihr Ruf?

Transfergesellschaften – besser als ihr Ruf?


Der Ruf von Transfergesellschaften ist angeknackst. Gelten sie doch als 12-monatige Verwahranstalt potenzieller Arbeitsloser. Die Statistiken sprechen jedoch eine andere Sprache. Doch es gibt auch alternative Wiedereingliederungsinstrumente in den Arbeitsmarkt.

 

Transfergesellschaften haben die Aufgabe, die von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter eines Betriebs zu beraten, zu qualifizieren und innerhalb eines Jahres in ein neues Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln. Der Bandbreite der infrage kommenden Förder- und Qualifizierungsmaßnahmen sind praktisch keine Grenzen gesetzt: Bewerbungstraining, Sprach- oder PC-Kurse – notfalls auch der Gabelstaplerführerschein. Hauptsache, der Betroffene ist innerhalb von 12 Monaten wieder fit für den Arbeitsmarkt. 

Eine Transfergesellschaft gründen

Und so geht’s: Transfergesellschaften sind keine eigenständigen Beschäftigungsgesellschaften. Deshalb beauftragt der Arbeitgeber eine "Dritte Partei" mit deren Gründung. Das können beispielsweise Personalvermittlungen, Consultingfirmen oder Rechtsanwaltskanzleien sein. Voraussetzung für die Inbetriebnahme ist die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit und eine Einigung zwischen der Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretung des Unternehmens.

Im nächsten Schritt schließt das Unternehmen einen Aufhebungsvertrag mit den betroffenen Mitarbeitern. Parallel dazu bietet ihnen die Transfergesellschaft einen auf ein Jahr befristeten Arbeitsvertrag an. Für diese Dauer erhalten die betroffenen Mitarbeiter Transferkurzarbeitergeld von 60 bzw. 67 Prozent des bisherigen Nettolohns. Dem Betrieb steht es frei, diesen Betrag aufzustocken. Zudem werden die Qualifizierungsmaßnahmen mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) oder unter bestimmten Voraussetzungen mit Mitteln des Europäischen Globalisierungsfonds (EGF) gefördert.

Die Arbeitslosenquote drücken

Klingt erstmal gut. Doch der Ruf von Transfergesellschaften ist umstritten. Gelten sie doch als "Verwahranstalt" potenzieller Arbeitsloser, die dem Staat helfen, die Arbeitslosenquote zu drücken. Immerhin: Wer bei einer Transfergesellschaft "beschäftigt" ist, taucht erstmal nicht in den Arbeitsmarktstatistiken auf.

Um das Image der Transfergesellschaften zu verbessern, haben sich einige Betreiber im Bundesverband der Träger im Beschäftigtentransfer (BVTB) zusammengeschlossen und Qualitätsstandards festgelegt. Danach dürfen beispielsweise nicht mehr als 50 Transfermitarbeiter von einem Berater betreut werden.

Nicht an den Zahlen "kleben"

Der Erfolg einer Transfergesellschaft hänge von vielen Faktoren ab, meint Sussane Marx. Als Transferberaterin bei der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung mbH (G.I.B) in Bottrop erhebt Marx Halbjahr für Halbjahr, wie viele Beschäftigte der Transfergesellschaften in NRW in ein neues Beschäftigungsverhältnis, in Rente oder in eine weitere Qualifizierungsmaßnahme übergegangen sind. Die Angaben beruhen auf Selbstauskünften der Transfergesellschaften.

"Der Blick allein auf die Vermittlungszahlen allein ist sehr verkürzt", sagt sie. Eine Rolle spielten beispielsweise die Qualifikation der Beschäftigten, ihr Alter, die Region, die Mobilität und nicht zuletzt die Höhe der Mittel und die Anreize, die die Betriebsparteien ausgehandelt haben. "Wenn in einem Transfersozialplan das Kurzarbeitergeld auf neunzig oder einhundert Prozent aufgestockt wird, dann ist natürlich der Anreiz gering, einen vergleichsweise schlechter bezahlten Job anzunehmen", sagt Marx.

"Sprinterprämien" hingegen erhöhten den Anreiz, schnell ein neues Beschäftigungsverhältnis einzugehen: Wer innerhalb einer  vorgegebenen Frist einen neuen Job findet, kommt in den Genuss einer Sonderzahlung.

Was sagen die Statistiken?

Wirklich verlässliche, unabhängig erhobene Daten gibt es bisher nicht. Die Wirkung der Transfergesellschaften scheint im Vergleich zu anderen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen aber durchaus konkurrenzfähig oder besser zu sein. So kommt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu dem Ergebnis, dass zwischen 2000 und 2005 immerhin 44 Prozent der untersuchten Bezieher von Transferkurzarbeitergeld ein Jahr später wieder beschäftigt waren.

Die G.I.B. hat für das erste Halbjahr 2009 eine Quote von 46 Prozent ermittelt. Im Halbjahr davor betrug die Quote allerdings nur 34 Prozent. Im ersten Halbjahr 2008 sind 40 Prozent der Beschäftigten in Transfergesellschaften anschließend in Arbeit übergegangen.

Alternativen zur Transfergesellschaft

Um Personalabbau verantwortlich umzusetzen, gibt es als Alternative zur Transfergesellschaft die Möglichkeit des Gruppen-Outplacements. "Gruppen-Outplacements haben mehr Dynamik", sagt Dr. Herwig Offner, Vorsitzender des Fachverbands Outplacement im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU).

Die Gruppen-Outplacements dauerten in der Regel nur wenige Monate, während Transfergesellschaften, die vor allem auf Empfehlung des Betriebsrats zustande kämen, auf ein Jahr angelegt seien. Durchschnittlich 50 Prozent der Teilnehmer an Gruppen-Outplacements haben nach Angaben des BDU danach wieder einen neuen Job gefunden.

Geringe Teilnehmerzahl und Einzelbetreuung

"Da wird richtig gearbeitet, um möglichst schnell einen neuen Job zu finden", sagt Offner zu den Workshops bei den Gruppen-Outplacements, die in der Regel nicht mehr als zehn Teilnehmer umfassen. Zusätzlich werden Termine für Einzelberatungen angeboten.

Aufgrund der vergleichsweise geringen Teilnehmerzahl und der klaren Zielorientierung sei die Betreuung der von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter intensiver möglich als in einer Transfergesellschaft, meint Offner. Was kann ich? Was will ich? Wie vermittle ich das schriftlich und mündlich? Wer sind meine Zielgruppen? Unter anderem diese Fragen werden während eines Gruppen-Outplacements in der Gruppe und im Einzelgespräch geklärt.

Fördergelder

Etwa 2.000 Euro geben nach Offner die Unternehmen durchschnittlich pro Mitarbeiter beim Gruppen-Outplacement aus. Hinzu kommen mögliche Fördergelder, die nach § 216 a SGB III gewährt werden können. Dennoch führen Gruppen-Outplacements im Vergleich zu Einzel-Outplacements, die eher gut verdienenden Führungskräften angeboten werden, ein Schattendasein.

Etwa 14 Prozent beträgt der Umsatzanteil für Gruppen-Outplacements in der Branche, weil viele Unternehmen beim Personalabbau lieber auf eine Transfergesellschaft zurückgreifen. "Bei Transfergesellschaften sind die Mitarbeiter nicht mehr auf der Gehaltsliste", führt Offner als Grund an.

(Rainer Spies, Mai 2010 / Sabimm, Fotolia.com)