Tipps / Personalmanagement / Vergütung / Gewinn- und Kapitalbeiteiligung

Gewinn- und Kapitalbeiteiligung

Gewinn- und Kapitalbeiteiligung

 

Wer Beschäftigte länger ans Unternehmen binden möchte, sollte über Mitarbeiterbeteiligung nachdenken. Zahlreiche Betriebe gehen diesen Weg, meist mit großem Erfolg. Ob sie sich für die Gewinn- oder Kapitalbeteiligung entscheiden: Bereut hat das bislang kaum jemand. An ihrem Unternehmen beteiligte Mitarbeiter setzen sich mehr als andere ein.

 

 

Von Bindungskraft versteht Horst Höfflin eine ganze Menge. Kunden und Mitarbeiter der Münchener PR-Agentur Dr. Haffa & Partner GmbH, die Höfflin gemeinsam mit seiner Frau Annegret Haffa seit 24 Jahren führt, bleiben weit länger als in der schnelllebigen Medien- und Kommunikationsbranche üblich an Bord.

Das Erfolgsrezept: Vom Ergebnis schüttet die Firma einen Großteil an ihre Mitarbeiter aus, in guten Jahren bis zu sechs Monatsgehälter zusätzlich. Von so gut "versorgten" Spezialisten, das ist dem Strategen Höfflin klar, lassen sich Unternehmen einfach lieber beraten als von schlecht bezahlten Praktikanten, eine Unart, die in der Agenturlandschaft keine Seltenheit ist. Wer von der Kreativität seiner Mitarbeiter lebe, ist Höfflin überzeugt, "hat keine andere Wahl, als sie am Unternehmenserfolg zu beteiligen."

Gewinn- und Kapitalbeteiligung kombiniert

Mitarbeiter am Unternehmen zu beteiligen, ist beileibe keine neue Idee. Bereits 1972 war Roland Meyer davon überzeugt, dass er als Unternehmer seine Beschäftigten stärker einbinden sollte. "Das war und ist für mich Sozialpartnerschaft", sagt der Gründer der Elektro R. Meyer GmbH & Co KG in Heusweiler bei Saarbrücken.

Die Firma kombiniert Gewinn- und Kapitalbeteiligung. Während 40 Prozent vom Ergebnis an alle Beschäftigten ausgeschüttet werden, steht jedem Mitarbeiter frei, den von Meyer "größer als ein Monatslohn" bezifferten Betrag im Rahmen einer stillen Beteiligung anzulegen. Werden die "Tantiemen" im Januar überwiesen, landet die Gewinnbeteiligung für alle Mitarbeiter im April auf dem Konto. "Wir haben so gut wie keine Fluktuation", sagt Meyer. "Und Bewerber nehmen wir kaum, sondern bilden unsere Mitarbeiter selbst aus."

Die stille Beteiligung

Einen ähnlichen Weg hat die Zimmer MedizinSysteme GmbH in Neu-Ulm eingeschlagen. 1973 schlug die Geburtsstunde der stillen Beteilung, ihre Anteile bringen Mitarbeiter in eine Beteiligungsgesellschaft ein. Einmal im Jahr treffen sich die Gesellschafter, um von der Geschäftsleitung zu erfahren, wie es um den Betrieb und seine Zukunft steht.

Nach Angaben von Prokuristin Sigrid Gamperling wird alle zwei Jahre aus dem Gesellschafterkreis ein Mitglied in den fünfköpfigen Aufsichtsrat gewählt, um "noch näher an den Entscheidungen dran" zu sein. Das ist gut begründet, schließlich hält die vor gut 30 Jahren ins Leben gerufene Mitarbeitergesellschaft inzwischen zwei Drittel des Firmenkapitals. Grundsätzlich können alle Mitarbeiter ihre vermögenswirksamen Leistungen inklusive Arbeitgeberanteil und Sparzulage als Kapitalanteile in die Mitarbeitergesellschaft einzahlen, was für Unternehmen und Beschäftigte auch steuerlich attraktiv ist.

Finanzielles Polster fürs Alter

Zusätzlich gibt der Betrieb rund dreißig Prozent des Unternehmensgewinns vor Steuern brutto an die Mitarbeiter weiter, ohne dafür Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abführen zu müssen. Dieses Geld fließt ebenfalls in die Mitarbeitergesellschaft und kann nach 25 Jahren Laufzeit oder ab dem 65. Geburtstag des Mitarbeiters als angespartes Kapital in 15 Jahres- oder 180 Monatsraten ausbezahlt und zur Altersversorgung eingesetzt werden. Bis dahin steht das Guthaben dem Unternehmen auch zur Verfügung, sollte ein Mitarbeiter vorher kündigen.

"Jeder dritte Mitarbeiter ist beteiligt", sagt Gamperling nicht ohne Stolz. Fünf Prozent Grunddividende sowie eine variable, gewinnabhängige Dividende zwischen null und zwölf Prozent ergeben ein hübsches Sümmchen. Seniorchef Bernd Zimmer ist ziemlich sicher, dass das Beteiligungsmodell die Leistungsbereitschaft anstachelt. "Im Branchenvergleich sind wir heute überdurchschnittlich ertragsstark, bei einigen Lösungen Weltmarktführer."

Vorsicht: Insolvenz

Bleibt die Frage des Risikos, das Mitarbeiter bei der Kapitalbeteiligung eingehen. Und wie steht es um ihre Einflussmöglichkeiten? Wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Umfragen unter Beschäftigten ermittelte, scheint das Recht, womöglich den Unternehmenskurs mitzubestimmen, weit weniger attraktiv zu sein als das mehr oder weniger dicke Plus auf dem Gehaltskonto.

Verständlich: Ist bei der Gewinnbeteiligung in schlechten Jahren lediglich damit zu rechnen, auf den Jahresbonus zu verzichten, verliert man bei der Kapitalbeteiligung womöglich seine gesamte Einlage. Zu der Gefahr, den Arbeitsplatz zu verlieren, tritt das finanzielle Risiko.

Mezzanin-Kapital

Überschaubarer ist das Risiko bei Genussscheinen, auch Mezzanin-Kapital genannt. Damit das eingebrachte Kapital auch als Eigenkapital bilanziert werden kann, werden stille Beteiligungen sowie Genussrechte durchschnittlich auf sechs Jahre zu einem bestimmten Zins angelegt.

Kommt es zum Verlust, ist auch die Verzinsung negativ. Das heißt, die Mitarbeiter werden am Verlust beteiligt. Kündigt ein Mitarbeiter vorzeitig und fordert seinen Anteil zurück, ist das relativ unkompliziert zu regeln. Gerät der Arbeitgeber aber in die Insolvenz, muss sich der Mitarbeiter gedulden. Denn stille Beteiligungen und Genussscheine sind rechtlich anderen Schuldansprüchen und Gläubigern nachgestellt. Aber auch dies lässt sich vertraglich gestalten, vorausgesetzt, über Risiken wird offen gesprochen.

GmbH-Anteile: Deutlich mehr Mitsprache

Ein besonders hohes Risiko tragen Mitarbeiter, die GmbH-Anteile erwerben. Mindestens 100 Euro muss eine Einlage betragen. Die Vergabe von GmbH-Anteilen ist oft zentraler Baustein der Nachfolgeregelung. Unternehmer, die ihren Betrieb in die Hände eines lang gedienten Mitarbeiters übergeben wollen, übertragen ihm mit dem GmbH-Anteil auch volles Mitspracherecht.

Anders als der Aktionär, der sich nur auf der Hauptversammlung ein Bild machen kann, ist der Gesellschafter unmittelbar in Betriebsabläufe und Entscheidungsprozesse eingebunden. Unverzüglich muss ihm der Geschäftsführer Einsicht in die Bücher gestatten und Auskunft über die wichtige Firmenangelegenheiten geben.

Diese Auflagen entfallen, wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern eine stille Beteiligung oder Genussscheine gewähren. Mitarbeiter erhalten weniger Mitbestimmungsrechte, das Unternehmen muss die Karten nicht offen auf den Tisch legen.

(Winfried Gertz, Oktober 2010 / Bild: Gunnar3000, Fotolia.com)